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Wir, die "Norddeutschen Realisten"

20 Jahre Pleinair- Projekte

Bei unserer ersten Malaktion im Hamburger Hafen vor 15 Jahren, wurde uns vom Eröffnungsredner überraschend der Name „Norddeutsche Realisten“ gegeben, unter dem wir bis heute gemeinsam arbeiten.

20 Jahre gemeinsame Gruppenprojekte sind schon für sich genommen ein Rekord. Dieses mag daran liegen,  dass wir bewusst auf eine dogmatische Festlegung verzichten. Gemeinsam ist  uns die Landschaftsmalerei und das Bezugnehmen auf das sichtbare Gegenüber, sie ist oft Zeuge lebendigen Geschehens.

  Die Arbeit im Atelier ist eine sehr einsame Sache. Jeder von uns ist ja ein Einzelkämpfer. Dass Gruppenerlebnisse sehr fruchtbar sein können, haben wir schon während der Studienzeit gelernt. Manche Fehler muss dann nur einer machen. Der freundschaftliche Wettbewerb ist Ansporn und Inspiration für uns.

Unsere Gruppe ist so lebendig wie eh und je. Da die Künstler und Künstlerinnen aus dem Kreis der NORDDEUTSCHEN REALISTEN die meiste Zeit des Jahres eigenen Vorhaben nachgehen, gibt es die Gruppe eigentlich erst und nur, wenn in einem Projekt  zusammen gearbeitet wird.

Der Ablauf gestaltet sich aber jedes Mal sehr unterschiedlich, geprägt vom Ort und dessen spezifischen Eigenheiten, der Jahreszeit, dem Wetter, und natürlich durch die jeweils beteiligten Künstler.

Fast alle Pleinair- Projekte sind auf die gleiche Art angelegt. Entweder findet  sich ein Ausrichter für eigene Wunschvorhaben oder dieser trägt sein Projekt an die Gruppe heran. Er muss für Unterkunft  und Verpflegung sorgen , sowie die Ausstellung der entstandenen Arbeiten nahe am Entstehungsort  organisieren. Zahlreiche Kataloge sind dabei entstanden.

  In Norddeutschland sind die NORDDEUTSCHEN REALISTEN längst eine feste Größe im Kunstgeschehen, setzten Maßstäbe und werden von jungen Künstlern/innen immer häufiger als Vorbild gesehen.  

Ihre  "Norddeutschen Realisten"

 

Die Norddeutschen Realisten- eine neue Position in der Nachmoderne

von Jens-Peter Kjaersgaard Journalist und Kunsthistoriker, Kopenhagen im Juni 2006

Die Norddeutschen Realisten sind eine wirklich erstaunliche Erscheinung in der nachmodernen Kunstszene. Wir Skandinavier müssen ja immer ganz modern sein, anders geht es bei uns nicht. Um 1900 wechselten wir die Einflüsse und die Vorbilder. Frankreich trat die Nachfolge Deutschlands an, später auch Holland und die USA. Wir sind der Weltkunst verbunden.

Im Prinzip ging es in Deutschland nicht so anders, aber dort gab es immerhin auch ganz eigene starke Kräfte und immer wieder Gegenreaktionen, von der Kunst im Dritten Reich ist abzusehen. Solche Gegenpositionen fehlen bei uns.

Die Norddeutschen Realisten, die - noch ohne Namen – 1989 ihr erstes Gruppenprojekt bei Fulda in der Rhön durchführten, wobei sie vierzehn Tage lang von morgens bis abends das Dorf Kleinsassen malten und zeichneten und die Ergebnisse dann in der Kunststation Kleinsassen, also am Ort ihrer Arbeit, mit großem Erfolg zeigten, stellten sich damals gegen alles, was „modernen Künstlern“ und Kunstpäpsten heilig war.

Dort fanden und erprobten sie das Prinzip, nach dem sie noch heute arbeiten, das gemeinsame malen nach Sicht, also Pleinair.

Ihre Ausstellung zum 15-jährigen Bestehen der Gruppe, die unter anderem in der Kunsthalle Gießen gezeigt wurde, trug den bezeichnenden und wohl auch programmatischen Titel „Weltanschauung“.

Auf meine Frage wie man so lange und so konsequent durchhalten könne, antwortete der Initiator Störtenbecker: „ Aus Lust“. Als wir dann die verschiedenen Projekte, weit über zwanzig inzwischen, durchgingen, den Flensburger Hafen, die Gorch-Fock ( ein Jahr lang etappenweise von Kiel bis Lissabon, von Rostock nach Venedig ) die Landschaft Schwansen und  viele weitere Projektthemen, da sprudelten die lebendigen Erinnerungen. Ganz klar, diese Künstlerinnen und Künstler sind Begeisterte, sind von ihrer Sache durchdrungen.

Da in der Kunstszene unserer Tage eigentlich überhaupt nichts klar ist, fällt die Entschlossenheit und Zielstrebigkeit dieser Künstlergruppe angenehm auf. Die Kunsttheorien liegen doch allesamt am Boden, Überzeugungen sind weggebrochen und mitten in diesem Sinn-Vakuum praktizieren die Norddeutschen Realisten „Welt-Anschauung“! Sie gucken sich die Dinge an und malen sie.

Kompliment! – Das ist eine blitzgescheite Antwort auf diese Zeit und die übrige Gegenwartskunst, auch wenn die Antwort angeblich (kleine Zweifel meinerseits ) nur als Lust gewissermaßen aus dem Bauch gekommen sein soll.

Diese Künstlerinnen und Künstler haben relativ viele gemeinsame Überzeugungen, z.B. die, dass Bilder von der Erscheinungsform ausgehend gemalt werden sollen, nach Sicht sowieso. Am Anfang steht immer die erlebte Umwelt als optisches Angebot. Daraus könnte schnell routinierte Pflichtübung werden, wäre da nicht offensichtlich die feste Überzeugung, dass im Realen ein Geheimnis stecke, das mit seiner Darstellung sichtbar gemacht werden könne. Ebenso überzeugt sein dürfen sie vom Wunder des Sehens und davon, dass das Auge ein Entdecker ist. Damit verbindet sich eine Wertschätzung der uns umgebenen Dinge, Wesen, Szenerien, ein Abschmecken von Anblicken, die entweder zur Verweigerung oder zu ästhetisch richtungsweisendem „Material“ führt, aus dem heraus Kunst geschaffen werden kann. Und so erkläre ich mir auch, wie hart und dauerhaft die Künstler an ihrer Sache arbeiten.

Nach nunmehr 17 Jahren (inzwischen sind es 20 Jahre - Anm.) gemeinsamer Projektarbeit ist erstaunlicherweise kein Gruppen-Stil entstanden, sondern haben sich die Einzelprofile , eher noch geschärft, obwohl sie alle beteuern, viel voneinander gelernt zu haben. Ich sehe das mit ungläubiger Freude. Natürlich verpassten die Norddeutschen Realisten in diesen 17 Jahren sämtliche Trends und schnelle Moden. Was sie betreiben, ist wirklich harte Arbeit, vor allem an sich selbst. Sowas kann man nicht auf Anhieb. Hier ist ein Fundus gewachsen.

 

Aus ihrer einstmaligen Außenseiter-Position haben sie sich längst befreit. Sie stehen jetzt in klarer Gegenposition zur Hip- und Szenekunst, wie sie derzeit auf allen Kunstmessen zu sehen ist. Nie würde es ihnen einfallen, eine Mode aufzubrezeln. Sie verkörpern das Gegenteil von Trends und Moden. Sie verstehen Kunst als Kunst. Ganz nebenbei arbeiten sie mit ihren Werken an einem Kunstbegriff, der diese Bezeichnung auch verdient. Jedenfalls haben sie eine unverwechselbare Position im nachmodernen Kunstschaffen erobert.

Und jetzt wünsche ich mir und den Künstlern nur noch einen Projektveranstalter in Dänemark.

 

 

eMail:   info@norddeutscherealisten.de